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Diagnose auf Abruf

Mini-Labor im Kartuschenformat

04.11.2013

Je eher man ein Ergebnis hat und je exakter es ist, desto besser. Das gilt ganz besonders für die Diagnose von Infektionen. Denn von der Diagnose und ihrer Genauigkeit hängt ganz entscheidend ab, welche Therapie ein Patient erhält und damit, wie gut und schnell er wieder gesund wird.

Bisher stehen zwei Verfahren zur Verfügung, um Infektionskrankheiten zu ermitteln. Zum einen ist das die kulturbasierte Technik, die Mikrobiologen seit über 100 Jahren anwenden. Das Verfahren kennt man auch aus dem Biologieunterricht. Die zu untersuchende Probe kommt in eine Petrischale und dann in den Brutschrank, wo sich Bakterien oder Erreger vermehren und typische Wachstumsformen ausbilden, anhand derer sich erkennen lässt, welche Infektion vorliegt. An sich ist die Methode mit langer Tradition bewährt. "Abermillionen von Tests werden mit dieser Methode jedes Jahr gemacht", erklärt Johannes Bacher, einer der Mitbegründer der Curetis AG aus Holzgerlingen. Das Problem dieser Methode sei aber, so Bacher, dass das Ergebnis erst nach 48 bis 72 Stunden vorliege: "In dieser Zeit kann der Arzt nur auf Verdacht entscheiden. Somit besteht die Gefahr, dass der Arzt unangemessen therapiert, zum Beispiel unnötigerweise Breitbandantibiotika einsetzt oder aber, dass das Antibiotikum gar nicht wirkt". Eine Alternative zum herkömmlichen Verfahren bietet die Molekulardiagnostik, die jedoch mit ihren derzeit verfügbaren Methoden zu aufwändig ist, um wirklich rasch genug aussagekräftige Ergebnisse zu liefern.

Die Defizite in den heutigen Diagnosetechniken haben Curetis auf den Plan gerufen. Das Molekulardiagnostik-Unternehmen hat einen automatisierten Test zum Nachweis schwerer Lungenentzündungen entwickelt. Das Besondere an dem neuen Testsystem namens Unyvero ist, dass es die Diagnose bereits nach rund vier Stunden bereitstellt und damit dem Arzt hilft, frühestmöglich die richtige Therapieentscheidung zu treffen. Dabei erkennt Unyvero nicht nur die Erreger, sondern bemerkt auch, ob sie gegen bestimmte Antibiotika resistent sind. Im Vergleich zu bereits vorhandenen molekulardiagnostischen Verfahren, identifiziert der Test außerdem sehr viel mehr Erreger und ist somit umfassender. Der Test sei für Krankenhäuser gedacht, und nicht für niedergelassene Ärzte, so Johannes Bacher. Denn vor allem Patienten mit Verdacht auf schwere Lungenentzündung profitieren von dem Test und diese finden sich meist in der Klinik und nur selten in der Arztpraxis, so dass sich das Anschaffen des Testgerätes für die einzelne Praxis nicht rechnet. Bei falscher Behandlung droht akute Lebensgefahr, die Sterblichkeitsrate eines künstlich beatmeten Patienten mit Lungenentzündung liegt bei 30 bis 40 Prozent.

Da das Testgerät vollautomatisiert ist, ist der Arbeitsaufwand minimal. Gerade einmal vier Handgriffe braucht es für die Analyse. Weder dafür besonders geschulte Fachkräfte, noch eine spezielle Infrastruktur sind vonnöten. Damit trägt die Innovation von Curetis zu einer deutlich besseren Versorgung der Patienten bei gleichzeitig geringeren Kosten bei.

"Wir hatten einen fliegenden Start", berichtet Johannes Bacher. 2007 war Gründungsjahr der Curetis AG und bereits Mitte 2012 wurde Unyvero auf dem europäischen Markt eingeführt. In der Branche dauere es oft zehn Jahre oder länger, bis ein Produkt auf dem Markt zugelassen wird, meint Bacher.

Gemeinsam mit verschiedenen Großhändlern vertreibt Curetis den Lungenentzündungstest bereits in 23 Ländern, Kunden sind Krankenhäuser und Intensivstationen. Während der Test für die eine Infektion erfolgreich international vertrieben wird, ist die nächste Innovation schon im Anmarsch. Ende 2013 möchte Curetis einen Test für Implantat- und Gewebeinfektionen auf den Markt bringen.

http://www.curetis.com